DONALD BAECHLER

Flowers

28. August – 23. Oktober 2021

Öffnungszeiten 

Di–Sa, 12 Uhr–18 Uhr

Eröffnung

27. August 2021

17 Uhr–20 Uhr

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Wir freuen uns sehr, die Einzelausstellung ,,Flowers’’ des US-amerikanischen Künstlers Donald Baechler in unserer Berliner Galerie zu präsentieren. Zu sehen sind 35 Gemälde, die den Bogen von Baechlers früheren Arbeiten aus den 1980er Jahren zu seinen neusten Werken schlagen.

 

Donald Baechler wurde 1956 in Hartford, Connecticut, geboren und zählt seit bald vier Jahrzehnten zu den bedeutendsten Vertretern des amerikanischen Neo-Expressionismus  und der Post-Pop-Art-Bewegung. Mit klaren, kraftvollen Linien fixiert er Darstellungen von einfachen Gegenständen auf einen scheinbar flachen Hintergrund. Die Ausschnittsqualität des Bildes lenkt dabei die Aufmerksamkeit in den Vordergrund und überschattet das, was sich unter dem reich strukturierten Hintergrund verbirgt. Schicht für Schicht hat Baechler Bildelemente aufgesetzt, vereinigt, reduziert und mit Farbaufstrichen überzogen, bis das Bild zu einem Stillleben wurde, das ungebunden in seinen Grenzen schwebt.

 

„Der Geist der früheren Version ist immer da, unter der Farbe, an den Rändern. Manchmal kann man sie sehen und manchmal nicht, aber man kann sie in der Wiederholung und den leichten Veränderungen an den Rändern spüren. Es sind nicht nur schwarze Bilder auf weiß-grauem Hintergrund. Das Schwarz ist im Weiß und nicht auf dem Weiß. Das Bild ist im Bild”, erklärt Baechler.

 

Bereits 1985 zeigte Galerie Crone erstmals eine Einzelausstellung von Donald Baechler. An diese knüpft „Flowers” nun an: Fünf Arbeiten, die schon damals zu sehen waren, werden erneut präsentiert und Baechlers neuester Werkserie, die Variationen von Blumen und Blumenarrangements zeigt, gegenübergestellt. Auf eindrückliche Weise wird dadurch veranschaulicht, wie Baechler seiner künstlerischen Intention und Stilistik treu geblieben ist, aber dennoch die Einflüsse und Veränderungen der Zeit aufgreift und in eine beharrliche Bildsprache umsetzt.

Bei der Wahl seiner Motive konzentriert er sich auf zwei Sujets: Zum einen auf Gesichter und Köpfe, zum anderen auf alltägliche, sonst unbeachtete Dinge wie Blumen, Bäume, Vasen, Eistüten, Bälle oder Töpfe. Er interessiert sich für den „Haufen der Dinge”, wie er es selbst beschreibt. Für die konkrete Motivauswahl benutzt er deshalb eine Vielzahl von Quellen: Fotografien von Wandzeichnungen, Straßenschildern und Quittungen, Zeichnungen seiner Assistenten und Fremder, die er zufällig in Bars und Restaurants getroffen hat, oder Gegenstände und „Nippes“, den er auf Reisen gefunden hat. Er sammelte Tausende von Bildmaterialien, unterscheidet deren grafische Strukturen und reduziert dann das ausgewählte Motiv auf seine purste Form.

 

Einer strukturierten, architektonischen Syntax folgend, gleichzeitig flexibel und dem Unbekannten gegenüber offen, verleiht die „Aktion der Linie” den Sujets einen ikonographischen Charakter. Die Linie öffnet und schließt sich zu dicken, solide ausgeführten Formen und erfasst die Leinwand mit einer Energie, die ihren Weg nicht vorgegeben haben möchte.

 

Die harten Pinselstriche sind dabei ein Ausdruck seiner präzisen poetischen Wahl, die mehr ausdrückt als das traditionelle „Stillleben”, das spiessige, beschauliche Wohnräume schmückt. Er überhöht und banalisiert die Dinge gleichzeitig, spielt mit der Faszination des Hässlichen und Schönen und gibt den Gegenständen dadurch eine ganz besondere Wirkungsmacht. Die Linie stellt weder eine äußere Realität dar, noch den Trost seiner Erinnerung. Sie manifestiert auch nicht die Poetik seines organischen Ansatzes. Die Linie verkörpert den anonymen und beunruhigenden Anfang einer Geschichte.

 

Das Blumenmotiv könnte eine leere Seite im Tagebuch des Künstlers oder die Gedanken und den Geist unserer Vorstellungskraft beleben. Das Motiv könnte sich aber auch an eine persönliche Reihe von Erinnerungen oder einen Moment des Innehaltens knüpfen. Es ist ein Objekt wie jedes andere — eine Blume ist eine Blume, so wie ein Gesicht ein Gesicht ist. Reich an ästhetischen Möglichkeiten, jedem bekannt und in seiner äußeren Bedeutung einschränkbar, zielt Baechler auf die absolute Klarheit und reine Existenz des Objekts. Ohne Zwang zur Ewigkeit, Rhetorik oder Psychologie schafft er ein anspruchsvolles künstlerisches Werk, das von der Freiheit und Genauigkeit seiner Intuition geprägt ist.

 

Donald Baechler studierte am Maryland Institute - Collage of Art in Baltimore, an der Cooper Union, New York, und an der Hochschule für bildende Künste in Frankfurt am Main. Er lebt und arbeitet in New York. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Museen der Welt ausgestellt und befinden sich in bedeutenden Sammlungen, darunter im Museum of Modern Art New York, im Whitney Museum of New York, im Guggenheim Museum New York, im Centre Pompidou Paris, im Stedelijk Museum Amsterdam und im Los Angeles Museum of Contemporary Art.

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