P A U L P R O T H E S I S
Containment & Desire in the Leaking Body
Curated by Andrea Kopranovic
15. September–24. October 2026
Öffnungszeiten
Di.–Fr., 11–18 Uhr
Sa., 12–16 Uhr
Getreidemarkt 14
1010 Wien


Paul Prothesis: Containment & Desire in the Leaking Body
„Der Körper, den ich verhandle, ist männlich und verletzt. Er ist amputiert und instabil. Er schmerzt, nässt, krustet und verunreinigt die Umgebung. Er erfährt Repressionen aufgrund seiner Fluidität. Er bleibt sendungsbedürftig.“
Paul Prothesis (er/ihm) ist ein Pseudonym und fungiert als notwendiger, provisorischer Körper, der persönlichen Erfahrungen von pflegender Sorgearbeit künstlerischen Ausdruck verschafft. Paul Prothesis arbeitet durch, mit, für und gegen eine verletzte und verletzliche Männlichkeit. Im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung stehen Körperkonstruktionen und -überschreibungen, die von den Verletzungen des versorgten Körpers auf den sozialen Körper des Sorgenden übertragen werden. Teil dieser Transformationsprozesse sind die Verschiebungen gesellschaftlicher Vorstellungen und Implikationen von Männlichkeit – bedingt durch Sorgearbeit, in der sowohl der Pflegende als auch der Erkrankte als queer markiert werden – Queer(ed) through Caring.
Paul Prothesis lebt und arbeitet in Wien und im Südburgenland. Seit 1985 in der Angehörigenpflege aufgrund eines Arbeitsunfall seines Vaters. Seit 2014 kontinuierliche künstlerische Tätigkeit über diesen Erfahrungsbereich. Seit 2021 existiert das Konstrukt Paul Prothesis. Prothesis studierte von 2021 bis 2025 Kontextuelle Malerei an der Akademie der bildenden Künste bei Ashley Hans Scheirl und Alice Kreischer & Andreas Siekmann. Seit 2025 Studium der Gesundheits- und Krankenpflege an der Hochschule Campus Wien.
Kuratorisches Statement
Viele von uns, ich selbst eingeschlossen, haben es mittlerweile ein wenig satt, immer wieder über Care zu lesen und zu hören, insbesondere in der bildenden Kunst. Das Problem der Übersättigung liegt jedoch nicht am philosophischen, soziopolitischen und gelebten Feld selbst, sondern an der starken Verallgemeinerung und Vermischung bis hin zur Kapitalisierung seiner diversen Bedeutungen und Qualitäten.
Nehmen wir die medizinische Care-Arbeit als Beispiel so sehen wir, dass anstelle von (Selbst-)Liebe und einem tiefgreifenden humanistischen Verständnis von gemeinsamer Fürsorge Care-Arbeit wiederholt als symbolisiertes, theoretisiertes und angeeignetes Meinungsfeld zutage tritt. Doch Caregivers, ob professionell arbeitende Pflegekräfte oder unausgebildete Begleitpersonen, existieren ganz ohne Applaus, Sichtbarkeit und Bewertung von außen. Ihr Tun erzeugt eine produktive Ambiguität, die über binär-reguliertes Geben und Nehmen weit hinausgeht, da der sendungsbedürftige kranke Körper konstante Aufmerksamkeit einfordert.
Diese Form von Care-Arbeit hat bekanntlich ihren Preis und bringt hässliche Nebenwirkungen mit sich, darunter Scham, Ekel und die Unterdrückung von Blicken, Gefühlen und Sehnsüchten. Containment & Desire in the Leaking Body ist eine Annäherung an Ort, Zeit und Erfahrung von Tabus und beleuchtet vermeintlich schmutzige und abjekte Aspekte aus der Perspektive eines queeren, pflegenden Künstlers unter dem Namen Paul Prothesis. In dessen erster Ausstellung werden behinderte und behindernde Sichtbarkeiten und Intimitäten, emotionale und körperliche Leckagen, Phantomglieder und Wundverbände sowie Fragen von Männlichkeit verhandelt, zusammen mit dem Wunsch, in der Nahbeziehung mit Krankheit durchlässig zu bleiben.
Andrea Kopranovic
