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C R O W D E D   H E A R T S

Hanne Darboven, Carola Dertnig, Hannah Sophie Dunkelberg, Judith Fegerl, Sylvie Fleury, Channa Horwitz, Sophie-Luise Passow, Charlotte Posenenske, Rosemarie Trockel, Ruscha Voormann

27. Juni–15. August 2026

Öffnungszeiten

Mi.–Sa., 11:00–18:00 Uhr

Fasanenstraße 29

10719 Berlin

Wir freuen uns sehr, die Ausstellung "Empty Places, Crowded Hearts" in unserer Berliner Galerie präsentieren zu dürfen. Zu sehen ist ein generationsübergreifendes Panorama weiblicher künstlerischer Strategien mit abstrakten oder abstrahierenden Bezügen. Dabei werden prägende Positionen der 1970er und 1980er-Jahre mit aktuellen Strömungen in Dialog gebracht.


Die gezeigten Arbeiten von Channa Horwitz, Hanne Darboven, Charlotte Posenenske, Sylvie Fleury und Rosemarie Trockel stehen für eine konzeptuelle Durchdringung von Struktur durch serielle Systeme, zeitbasierte Ordnungen und die kritische Reflexion kultureller und materieller Codes. Ihre Praxis hat das Verständnis von Struktur als intellektuelles und gesellschaftliches Prinzip nachhaltig geprägt.


Jüngere Positionen wie Ruscha Voormann, Hannah Sophie Dunkelberg, Sophie-Luise Passow, Judith Fegerl und Carola Dertnig entwickeln diese Ansätze weiter und untersuchen Oberflächen, Materialien und narrative Gefüge als offene, fragile Systeme, in denen Körper, Raum und Bild in dynamische Beziehungen treten.


Die Ausstellung versammelt somit Werke von zehn Künstlerinnen verschiedener Generationen, die sich mit grundlegenden Fragen von Ordnung, Materialität und Wahrnehmung auseinandersetzen. Seriellen und konzeptuellen Verfahren kommen dabei ebenso große Bedeutung zu wie körperlichen und materialbezogenen Prozessen oder performativen Herangehensweisen.


Channa Horwitz (1932–2013) war eine US-amerikanische Künstlerin und wichtige Vertreterin der Konzept- und Minimal Art. Bekannt wurde sie durch ihre streng systematischen Zeichnungen und numerischen Codes, mit denen sie Zeit, Rhythmus und Bewegung in visuelle, beinahe musikalische Strukturen übersetzte. Sie entwickelte das konzeptuelle Zeichensystem „Sonakinatography“, eine präzise grafische Sprache auf Rasterbasis, die als Grundlage für multimediale Performances diente. Horwitz beschrieb dieses System als universelle visuelle Philosophie, deren feste Regeln nicht Einschränkung, sondern die Voraussetzung für unendliche Variationen und kreative Freiheit bildeten. Für dieses jahrzehntelang verfolgte Werk erhielt sie insbesondere posthum große Anerkennung.


Hanne Darboven (1941–2009) war eine der bedeutendsten deutschen Vertreterinnen der Minimal- und Konzeptkunst. Im Zentrum ihres Werks stand die Zeit als Wesen der menschlichen Existenz, die sie mithilfe komplexer Schrift-, Zahlen- und Ordnungssysteme sichtbar machte. Ausgehend von Kalenderdaten und mathematischen Berechnungen schuf sie groß angelegte serielle Arbeiten, die persönliche, historische und philosophische Dimensionen miteinander verbinden. Sie entwickelte eine einzigartige konzeptuelle Bildsprache, die sie später um Textbearbeitungen und eigene musikalische Kompositionen erweiterte. Darboven vertrat Deutschland mehrfach auf der Biennale von Venedig sowie auf der documenta.


Seit den 1980er-Jahren entwickelt Rosemarie Trockel (1952) ein vielschichtiges Werk, das Strickbilder, Skulpturen, Installationen, Zeichnungen und Filme umfasst. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen Praxis stehen Fragen von Identität, Geschlechterrollen, Kultur und den Bedingungen künstlerischer Produktion. Mit kritischem Humor und einem ausgeprägten Interesse an gesellschaftlichen Codierungen kombiniert sie unterschiedliche Materialien und Alltagsobjekte zu oft überraschenden, mehrdeutigen Konstellationen. Ihre Arbeiten hinterfragen soziale Normen und Hierarchien, während groteske und fantasievolle Elemente neue Deutungsräume eröffnen. International wurde ihr Werk in zahlreichen renommierten Museen und Ausstellungshäusern präsentiert und ist heute in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten. Bis 2016 prägte sie als Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf mehrere Generationen von Künstler:innen.


Charlotte Posenenske (1939–1985) entwickelte in den 1960er-Jahren serielle und modulare Skulpturen aus industriellen Materialien wie verzinktem Blech und Wellpappe, die flexibel angeordnet und an unterschiedliche räumliche Situationen angepasst werden konnten. Mit ihren offenen, unbegrenzt reproduzierbaren Werkserien stellte sie traditionelle Vorstellungen von Autorschaft, Originalität und dem Wert des Kunstwerks grundlegend infrage. Ihre Praxis war eng mit gesellschaftlicher Kritik verbunden und verstand sie als Instrument zur Reflexion sozialer und institutioneller Strukturen. Als sie die Möglichkeiten der Kunst zur Herbeiführung gesellschaftlicher Veränderungen zunehmend kritisch bewertete, beendete sie 1968 ihre künstlerische Tätigkeit und wandte sich der Soziologie zu – ein Schritt, der ihr Werk bis heute als konsequent gesellschaftsorientierte Position untermauert.


Carola Dertnigs (1963) Zeichnungen, Videos und Installationen setzen sich mit dem performativen Gehalt der Sprache und dem Körper als Vermittler gesellschaftskritischer, feministischer und politischer Themen auseinander. Feministische Perspektiven und ein explizites Interesse an der Politisierung des Geschlechts gehören zu den zentralen Aspekten ihres Schaffens. Als Schauspielerin und Tänzerin tritt sie häufig in alltäglichen Situationen auf und agiert dabei bewusst als störender Körper, um die Aufmerksamkeit auf Themen wie Identität und das eigene Dasein innerhalb der Gesellschaft zu lenken. Nach einem langjährigen Aufenthalt in New York, leitet Carola Dertnig seit 2006 den Fachbereich für Performative Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien.


Ruscha Voormann entwickelt abstrakte Bildwelten, die von Prozessen der Transformation, Verdichtung und rhythmischen Ordnung geprägt sind. Ausgehend von einer frühen Auseinandersetzung mit den Übergängen zwischen Figuration und Abstraktion widmet sie sich heute ausschließlich der abstrakten Malerei. Dabei erforscht sie mit eigens entwickelten Techniken das Spannungsverhältnis zwischen bewusster Steuerung, Zufall und Offenheit. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch subtile Verschiebungen, vielschichtige Oberflächen und eine eigenständige visuelle Sprache aus, in der Bewegung, Tiefe und Rhythmus miteinander in Dialog treten. Geboren 1992 in Flensburg, lebt und arbeitet sie in München, wo sie an der Akademie der Bildenden Künste München studierte.


Judith Fegerl (1977) bewegt sich in ihrer künstlerischen Praxis an den Schnittstellen von Kunst, Architektur, Technologie und Natur. Im Zentrum ihres Werks stehen die verborgenen Strukturen, Funktionen und Abhängigkeiten von Räumen, technischen Systemen und elektrisch betriebenen Maschinen. In installativen Arbeiten entwickelt sie eigene Apparaturen, die physikalische, chemische und elektrische Prozesse sichtbar machen und Energie selbst als künstlerisches Material erfahrbar werden lassen. Dabei interessiert sie weniger die Form als die Offenlegung von Beziehungen, Systemen und zeitlichen Abläufen, die Architektur, Oberflächen und Landschaften prägen.


Hannah Sophie Dunkelberg (1987) versucht, den fetischisierten Status der Moderne zu demontieren, indem sie industrielle Verfahren und regionales Handwerk mit Elementen der Popkultur verbindet. Sie schweißt, schmiedet und lackiert ihre Arbeiten selbst; ihre arbeitsintensive Praxis bedient sich industrieller Werkzeuge und Produktionstechniken. Die spielerische Verwendung von Formen und Farben steht jedoch im Kontrast zu den schweren, kühlen Materialien. In ihrem Werk bewegt sich Dunkelberg zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, nutzt Symbole von Mädchenhaftig- und Weiblichkeit zur Auseinandersetzung mit patriarchalen Strukturen und setzt Humor als Mittel ein, bestehende Normen zu unterlaufen.


Sylvie Fleury (1961) ist eine zeitgenössische Schweizer Künstlerin, deren Installationen, Skulpturen und Mixed- Media-Arbeiten unsere emotionalen und ästhetischen Beziehungen zur Konsumkultur untersuchen. Bekannt wurde sie in den 1990er-Jahren mit ihren „Shopping- Bag“-Installationen und entwickelte in der Folge ein Werk, das gleichermaßen provokant wie spielerisch ist. Durch die Unterwanderung der Codes des Konsums und das Wechselspiel von Mode und Kunst prägte sie eine neue künstlerische Tendenz und hinterfragt dabei fortwährend das Verhältnis von Begehren und Fetischismus.


Sophie-Luise Passow (1994) entwickelt malerische und fotografische Arbeiten, die mit der Ambivalenz von Sichtbarkeit und Verborgenheit spielen. Ausgehend von biologischen Strukturen und Prozessen übersetzt sie das für das menschliche Auge Unsichtbare in abstrakte Bildwelten und verknüpft wissenschaftliche, organische und imaginäre Systeme. Dabei reflektiert sie zugleich die Mechanismen von Repräsentation und Wertschöpfung im Spätkapitalismus, indem ihre Arbeiten die Grenzen zwischen Original und Abbild, Natur und Konstruktion sowie Oberfläche und Tiefe hinterfragen.

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